Alltagstauglicher Hund?!Immer weniger Zeit, zu hohe Ansprüche und zu viel in zu kurzer Zeit!
- Redaktion

- vor 5 Tagen
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Jeder möchte einen alltagstauglichen Hund, ein Hund der alles kennt, zu jedem Lieb ist, jedes andere Lebewesen akzeptiert dazu natürlich brav zuhause ist und auch ansonsten immer alles richtig macht.
Mit diesen Vorstellungen und Ansprüchen holen wir uns einen Hund, denken „das wird schon, der wird das schon alles lernen“ und das alles in den ersten Wochen. Immer öfter merkt man, und das sagen auch die Zahlen in unseren Tierheimen, das Hunde sich mit den völlig falschen Einstellungen angeschafft werden. Ebenso mit Erwartungen und Vorstellungen wie der Hund in unser Leben passen soll.
Doch ein Hund ist ein Lebewesen und kein Programm was man einmal programmiert und fertig ist der Hund.
Statistiken, Berichte und Erfahrungen zeigen immer wieder auf, dass das schön gemalte Bild von einem Hund in unserm Leben, dann doch ganz anders aussieht. Statt brav an der Leine gehen, rastet der Hund immer wieder aus. Statt brav alleine zu bleiben, dekoriert er die Wohnung im Handumdrehen um, während wir auf der Arbeit sind.
Kinder findet er mega doof und andere Tiere sollten ihm lieber nicht über den Weg laufen.

So romantisch wie wir uns das vorstellen ist es am Ende doch nicht.
Denn meist wird vergessen, dass so ein Hund eine Lebensaufgabe ist und nicht einfach nebenher läuft. Hunde wissen nicht, ohne das wir es ihnen sagen, was richtig und was falsch ist. Sie besitzen keine Selbstreflektion oder denken vorausschauend. Sie handeln stets der Situation, für sie, angemessen. Sie agieren und reagieren so, wie man es ihnen beigebracht hat und wie sie es durch viele Wiederholungen gelernt haben.
In unserer heutigen Zeit ist alles schnelllebig und sehr stressig geworden. Was nicht funktioniert oder nicht gefällt wird weggeworfen. Doch ein Hund ist kein Wegwerfartikel, sondern ein hoch soziales Lebewesen, was sein leben lang angeleitet werden möchte und seinen Platz in unserer Familie haben möchte!
Die Ansprüche die wir mittlerweile an unsere Hunde stellen sind enorm hoch geworden. Dazu muss dieses noch in kürzester Zeit geschehen, egal ob es der Hund kann oder nicht.
Wir selbst haben eigentlich kaum noch Zeit, sind immer im Stress und Geduld ist auch nicht unsere Stärke. Dies alles sind jedoch Punkte die eine große Rolle spielen wenn man einen Hund besitzt.
Wenn ein Hund bei uns einzieht bedarf es Zeit und Geduld. Je nach Herkunft, Rasse und Charakter ist der Aufwand höher und die Erziehung schwieriger.
Oft hören wir „der muss das doch können, das habe ich ihm doch gesagt“ oder „der lebt jetzt schon vier Wochen bei uns und lässt sich immer noch nicht streicheln“ oder „wo er klein war hat er das nicht gemacht und jetzt hört er gar nicht mehr“ oder „eigentlich wollte ich einen Kuschelhund und nicht so einen, mein letzter war ganz anders“....
Verschiedenste Aussagen, die immer wieder zeigen mit welchen Vorstellungen Menschen Hunde bewerten. Doch Hunde sind genau wie wir Lebewesen, sie reagieren unterschiedlich auf Reize und Veränderungen. Sie durchleben verschiedene Phasen in der Entwicklung und haben ihren ganz eigenen Charakter mit ihren Macken. ( Gleichzusetzen mit unseren Kindern )
Kein Hund und absolut kein Hund gleicht dem anderen! Dies sehen wir immer wieder im Training. Kein Training ist gleich. Jeder Hund muss anders angeleitet und trainiert werden. Jeder Mensch dahinter muss anders angeleitet werden.
Es gibt ängstlich unsichere Hunde sowie die Draufgänger. Es gibt die, die sehr vorsichtig sind und andere die sich nicht die Wurst vom Brot klauen lassen. Genau wie wir Menschen! Leider wird dies oft vergessen und alle Hunde, gleich welche Rasse werden über einem Kamm geschert. Vor allem wenn es um das Erlernen von neuen Dingen geht. In kurzer Zeit soviel wie möglich rein in den Hund damit er ja ganz schnell fertig ist.
Doch fertig ist ein Hund nie. Die meisten Hunde – und das sind nach unserer Erfahrung 90% - brauchen bis zum Lebensende Anleitung.
Sie testen sich immer wieder aus, probieren ob alte Regeln noch stehen und versuchen uns zu manipulieren und um den Finger zu wickeln.
Ein alltagstauglicher Hund kann mit Reizen gut umgehen, hat keine Ängste und lässt sich durch wenig aus der Ruhe bringen. Ein alltagstauglicher Hund geht mit seinem Besitzer durch dick und dünn und verlässt sich voll auf diesen, da er gelernt hat „Mama regelt das schon“. Doch um dahin zu kommen, müssen die Regeln und Grenzen aufgezeigt werden und zwar immer! Ohne diese wird es früher oder später immer Probleme geben.
Dieser Prozess dauert Monate oder Jahre. Es gibt Rassen die schneller lernen können, es gibt Rassen die seeehr lange brauchen bis sie endlich erwachsen sind und es gibt Rassen die sehr viel Aufwendiger sind im Umgang da ihre Genetik eine gewisse Durchsetzungskraft mit sich bringt.

In kurzer Zeit alles in einen Hund hinein zu konditionieren wird nicht funktionieren. Denn Druck ist kontraproduktiv in der Hundeerziehung.
Egal ob es ein Welpe ist oder ein bereits erwachsener Hund, jeder brauch unterschiedlich Zeit um Dinge zu erlernen, Erfahrungen zu machen und diese zu verarbeiten.
Die letzten Jahre zeigen auf in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt hat. Ein Riesen Faktor ist Stress.
Immer mehr Kunden kommen zu uns wo deren Hunde völlig drüber sind. Unruhe, Verdauungsprobleme, gesundheitliche Probleme und daraus resultierte Verhaltensstörungen sind mittlerweile Standard.
Meist muss Mensch gleich "mit behandelt" werden, denn unsere Hunde spiegeln unser Verhalten.
Aber nicht nur die eigenen Emotionen und Probleme spielen eine Rolle, auch die Herkunft der Hunde ist ein großer Punkt der mit in die Verhaltenstherapie einfließt.
Meist haben bereits Welpen Stress, die sie vom Muttertier mitbekommen haben. Unruhe und zu viel Reize in der sensiblen Phase machen aus den doch so niedlichen Welpen einen kleinen Terroristen. Aufgekratzt, Unruhig und nicht in der Lage neue Dinge zu lernen. Mittlerweile Normalität und ein Riesen Problem im Zusammenleben.
Nun kommt der Mensch mit seinen Vorstellungen und versucht in dieses Gehirn neue Informationen zu programmieren. Keine Chance,... denn Stress macht das Lernen nicht möglich. Mensch ist enttäuscht und frustriert, Hund weiß nicht warum sein Mensch so genervt ist und im schlimmsten Fall muss Hund wieder weg.
Kunden die mit Stresshunden zu uns kommen werden erst einmal aufgeklärt woher dieser kommt, was der Besitzer damit zu tun hat und was die nächsten Schritte sind bevor der Hund lernen kann. Meist kommen diese Kunden von anderen Hundeschulen wo sie bereits schon viele Stunden hinter sich haben, der Hund aber immer schlechter in seinem Verhalten wird.
Doch erst einmal muss Mensch verstehen und seinen Hund lesen lernen um zu wissen wie er mit diesem umgeht. Weder darf Mensch noch Hund unter Druck gesetzt werden, den Druck kann Frustration und Stress auslösen und somit ist ein zielorientiertes Training nicht möglich.
Zurück zu den Wurzeln, selbst mal einen Gang raus nehmen und sich selbst reflektieren. Sich eingestehen, das es Tage gibt wo wir unseren Hunden nicht gut tun, sind wichtige Punkte.
Auch mal Lebensphasen unserer Hunde anerkennen und dulden mit all ihren negativen aber auch positiven Seiten.

Wieder auf das eigene Bauchgefühl hören und sich nicht vom Außen beeinflussen lassen. Um zukünftig unseren Hunden gerecht zu werden, sollten wir Menschen wieder mehr zu uns selbst finden. Uns mit uns selbst auseinander setzen, um uns, unserer Familie und unseren Vierbeiner ein gutes Vorbild zu sein. Frei von Druck und dem stetigen Wettlauf.
Den kleinste Unstimmigkeiten in unserem Umfeld, können dazu führen dass unsere Hunde auffällig werden.
Der Streit mit dem Partner, das emotionale Loch oder die Traurigkeit in bestimmten Lebensphasen, alles Emotionen die unser Hunde aufnehmen und versuchen abzufangen. Am Ende verliert meist der Hund, weil er diese „Emotionen“ nicht verarbeiten kann und dies meist mit einem Verhalten zeigt, was wir Menschen nicht verstehen und auch nicht wollen.
Mittlerweile ist in unserem Coaching der Mensch noch mehr in den Fokus gerückt. Denn die Probleme bei uns Menschen nehmen ebenfalls zu.... Unsere Vierbeiner sind nur unsere Spiegel...
Was mit unseren Vierbeinern geschieht, wenn Sie im dauerhaften „Konflikt“ mit sich selbst leben und was wir alles senden, ohne es zu wissen, wird ein anderes Thema sein.
In diesem Sinne, schaut öfter in den Spiegel und seit realistisch und ehrlich zu Euch selbst.
Euer CrazyDog Hundezentrum



