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Kommunikation zwischen Mensch und Hund und mögliche Missverständnisse (Teil 2)

In diesem Beitrag möchte ich angehenden Hundebesitzern oder jenen, die es werden möchten, einen Einblick in die Welt der Hunde geben. Es geht um Rudelstrukturen, Lernverhalten, den Umgang mit Ressourcen und vieles mehr, das im Zusammenleben mit einem Hund von Bedeutung ist. Durch die langjährige Tätigkeit im Tierschutz als Tierheimleiterin und Trainerin sowie die Arbeit mit Hundegruppen habe ich gelernt, dass Hunde individuell verschieden sind. Jeder Hund ist einzigartig, und was für den einen funktioniert, muss nicht zwangsläufig für einen anderen Hund gelten. Als Trainer( in ) wächst man mit jedem Hund, mit jedem Menschen und gibt die gesammelte Erfahrung und das gewonnene Wissen an den nächsten Hund weiter.

Mein Anliegen in diesen Beiträgen ist es, Hundebesitzern die Augen zu öffnen, um Fehler in der Hundeerziehung zu vermeiden. Ich möchte aufklären und verdeutlichen, dass Hunde immer noch Tiere sind – keine seelischen Mülleimer, Prestigeobjekte oder Ersatzpartner. Hunde sind Hunde und sollten entsprechend behandelt werden, auch wenn dies manchmal einen Weg erfordert, der uns Menschen nicht immer passt. Um Hunde wirklich glücklich zu machen, bedarf es nicht nur ständiger Zuwendung, schicker Geschirre oder komfortabler Körbchen. Hunden ist es egal, wie ihre Leine aussieht oder ob eine Schleife am Halsband ist. Sie wollen klare und einfache Anleitung in ihrer Erziehung.


Doch hier liegt bereits das Problem.

In den letzten Jahren hat sich unsere Gesellschaft stark verändert. Unser Leben ist stressiger geworden, geprägt von Arbeitsdruck, Terminen, der Kinderbetreuung und ständiger Erreichbarkeit. Wir Menschen sind komplexer geworden und scheuen uns oft davor, klar zu kommunizieren, aus Angst, dass andere schlecht über uns denken könnten. Also verpacken wir unsere Gedanken oft so, dass wir niemanden vor den Kopf stoßen. Das hat auch viel mit der aktuellen Hundeerziehung zu tun. Die Sichtweise auf den Hund hat sich verändert. Wir denken kompliziert und drücken uns nicht klar aus.


Und wie betrifft das unsere Hunde?

Genau wie wir Menschen hat jeder Hund seinen eigenen Charakter. Daher muss auch das Training, der Umgang mit anderen Hunden und Menschen auf den individuellen Hund angepasst werden. Hunde verstehen nur die Sprache der Hunde. Sie kommunizieren mit verschiedenen Signalen wie Augen, Schwanz, Ohren, Körperhaltung, Mimik, Geräuschen und ihrer Präsenz und Energie. Viele kleine Komponenten, auf die Hunde bei anderen Hunden achten, beeinflussen, ob sie sich verstehen oder eher aus dem Weg gehen. Manchmal müssen sie sogar körperlich klären, wer in der Hierarchie steht.

Hunde können nicht auf menschliche Weise miteinander sprechen oder sich die Pfote geben. Wir Menschen hingegen versuchen viel zu oft, über unsere Worte oder unser Verhalten unsere Hunde zu erziehen. Wir schimpfen mit ihnen in der Hoffnung, dass sie beim nächsten Mal wissen, dass sie beispielsweise die Sofakissen nicht zerstören sollen. Aber so einfach ist es nicht. Schließlich steht ein Lebewesen vor uns, das eine andere Kommunikationsform hat als wir.

Die heutige Zeit beeinflusst unsere Hunde zunehmend. Es fällt immer häufiger auf, dass unsere Hunde enorm gestresst sind. Ja, Hunde können gestresst sein und zeigen das deutlich. Unsere Ausstrahlung, Energie und unser Lebensstil beeinflussen die Entwicklung unserer Hunde.

Ein Beispiel:

Nach einem stressigen Arbeitstag kommen wir nach Hause. Es ist spät, die Arbeit hat uns gefordert, der Chef war schwierig und dann reißt auch noch die Einkaufstüte vor der Haustür. Sind wir entspannt? Wohl kaum. Wir kommen also gestresst nach Hause, wo Hausarbeit und Kinder auf uns warten. Unsere Gedanken sind schon bei den Hausaufgaben, dem Kochen und der Wäsche – und natürlich muss der Hund auch noch raus. Insgesamt herrscht eine negative Energie und Unruhe.

Nachdem wir zu Hause angekommen sind, möchten wir unserem Hund natürlich etwas Gutes tun. Er war schließlich eine Weile allein und ist sicherlich traurig, dass wir weg waren. Also schnappen wir uns die Leine. Hier liegt jedoch schon das erste Problem: Wir belohnen den Hund für sein aufgeregtes Verhalten.


Was lernt ein Hund aus dieser Situation?

Mein Herrchen oder Frauchen findet mein aufgeregtes Verhalten toll, denn meine Belohnung ist die Leine und der Spaziergang nach draußen. Schon haben wir unserem Hund im Laufe der Zeit beigebracht, dass wir immer nervös und unruhig aus dem Haus gehen. Aber damit endet es nicht ...

Draußen begegnet uns vielleicht ein anderer Hund oder ein lauter Lastwagen fährt vorbei. Die Unruhe und Nervosität, die wir mit nach draußen genommen haben, führen dazu, dass unser Hund aufgrund dieser Spannung auf Reize reagiert. Er bellt, zieht an der Leine oder zeigt ähnliches Verhalten. Der Spaziergang endet in Frustration auf beiden Seiten, einfach weil wir unserem Hund nicht klargemacht haben, wie wir mit ihm rausgehen wollen und wie er sich dabei verhalten soll.

Aber das muss nicht sein, wenn wir unseren Hund lesen und einschätzen können.


Und diese kleinen Dinge?!

Viele Kunden berichten, dass ihre Hunde aggressiv reagieren oder kaum ansprechbar sind, wenn sie anderen Hunden, Kindern oder Autos begegnen. Aber wenn wir uns noch einmal vor Augen führen, wie wir das Haus verlassen haben und wie wir zurückgekommen sind, fehlt die Grundlage für einen entspannten Spaziergang. Dies ist nur ein kleines Beispiel von vielen, die das Verhalten unserer Hunde im Alltag beeinflussen.

All diese Kleinigkeiten tragen unbewusst zu großen Problemen bei. Viele Hundehalter sind sich nicht bewusst, welchen Einfluss ihr Verhalten auf ihre Hunde hat. Ein Hund soll gehorchen und immer kommen, wenn man ihn ruft. Er soll sich mit anderen Hunden vertragen, im Urlaub dabei sein, Restaurantbesuche genießen und natürlich auch Kinder mögen. Das sind viele Anforderungen, die wir an unsere Hunde stellen. Aber um das zu erreichen, müssen wir Vorarbeit leisten und unseren Hund gut anleiten und erziehen.

Training und Erziehung sind hier wichtige Unterscheidungen. Das Training ist nur ein Teil, während die Erziehung das Fundament bildet, um mit unserem Hund durch dick und dünn zu gehen. Erziehung ist allgegenwärtig. Sie beginnt beim Welpen und hört beim Seniorhund nicht auf. Erziehung bedeutet, Grenzen zu setzen und Regeln aufzustellen – ein Leben lang. Dadurch gewinnt der Hund Vertrauen und Sicherheit.

Wenn wir Menschen uns als Beispiel nehmen: Auch wir leben in einer Welt mit Regeln. Gäbe es diese nicht, wären viele von uns überfordert. Regeln schaffen Sicherheit. Genau das möchten unsere Hunde auch. Sie benötigen einen klaren Rahmen, innerhalb dessen sie sich bewegen können und der ihnen Sicherheit bietet.

Ohne diese Grenzen werden wir nie dorthin gelangen, wo wir hinwollen.

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn ein Hund zu Hause ständig selbstständige Entscheidungen treffen kann und uns als Diener seines eigenen Willens betrachtet, wird er nicht verstehen, warum er auf den Menschen hören sollte. Es ergibt für ihn keinen Sinn. Also wird er auch draußen eigenständig handeln. Wir haben ihm permanent gezeigt, dass wir nicht in der Lage sind, unser Leben ohne ihn zu meistern.

Nehmen wir noch ein Beispiel:

Unser Hund folgt uns den ganzen Tag. Wir finden das niedlich und denken, er liebt uns so sehr. Aber unser Hund denkt: "Frauchen und Herrchen schaffen es einfach nicht alleine in die Küche, ich laufe mal hinterher und schaue, ob sie den Kühlschrank alleine aufmachen können."

Aus diesem "kleinen" Missverständnis kann ein riesiges Problem entstehen, nämlich Kontrollzwang, der nichts mit Trennungsangst zu tun hat. Der Hund kann nicht alleine bleiben. Über einen längeren Zeitraum kommen Stressanzeichen hinzu, die wiederum dazu führen, dass der Hund seine Umgebung schlechter wahrnimmt (Überreizung), weniger lernt und sogar krank werden kann.

Deshalb ist es wichtig, unseren Hunden zu zeigen, dass wir in der Lage sind, unser Leben eigenständig zu meistern und Regeln aufzustellen – sowohl für unsere Hunde als auch für unser Familienleben und im Umgang mit Fremden. Hunde beobachten uns und lernen uns auch darüber kennen, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen.


Wie ihr sehen könnt, gibt es eine Vielzahl von Missverständnissen in der Hund-Mensch Kommunikation und es sind oft die kleinen Dinge, auf die es ankommt. In unserem Hundezentrum klären und schulen wir Hundebesitzer. Wir nehmen uns viel Zeit, um unseren Kunden ihren eigenen Hund zu erklären – warum er so ist, wie er ist, woher Probleme kommen und wie man gemeinsam daran arbeiten kann. So konnten wir schon vielen Hundehaltern helfen und Missverständnisse dauerhaft beseitigen.

Hund-Mensch Kommunikation
Rottweiler schaut niedlich

Wollt ihr mehr erfahren und einen anderen, neuen Blick auf euren Vierbeiner werfen? Dann meldet Euch im Hundezentrum. Wir bieten verschiedene Seminare und Workshops an, rund um das Thema Hund. Im Einzeltraining gehen intensiv auf unsere Kunden ein und vermitteln Hundewissen auf eine einfache Art und Weise.




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